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Film-PR stürmt Elfenbeinturm des Journalismus

Geschrieben am 13.Oktober 2009

Es ist zwar schon wieder über einen Monat her, dass die Bluewater-Affäre zum Start von Jan Henrik Stahlbergs Film Short Cut to Hollywood in den internationalen Medien für Furore gesorgt hat, trotzdem möchte auch ich nicht vergessen, einen kurzen Bericht über diese gekonnte und zugleich gewagte PR-Aktion abzuliefern.

Wie in einem Alternate Reality Game kreierten die Puppet Master hinter der Kampagne ein Paralleluniversum, das zumindest für einige Stunden die deutsche Medienlandschaft in Atem hielt und deren Recherchen standhielt.

So wurden kurz vor dem Start der Aktion zum Film (Start war am 26. September) diverse Websites gelauncht. Eine davon war die des fiktiven TV-Senders „vpk-tv“. Darauf konnte man über einen angeblichen Terroranschlag in einer kalifornischen Kleinstadt mit dem Namen Bluewater lesen.

Am 10. September überstürzten sich die Ereignisse, an denen auch ein Team von Schauspielern maßgeblich beteiligt war mit einem Anruf bei der Deutschen Presseagentur dpa. Zeitgleich mit dem Online-Launch der Nachricht über den angeblichen Terrorakt behauptete einer der Schauspieler im Telefongespräch mit dem Agenturjournalisten, er wäre ein Deutscher Fernsehjournalist, der für den fiktiven TV-Sender arbeitet.

Die in der kurzen Zeit der Recherche auf den Journalisten schlüssig wirkenden Infos von den gefälschten Websites gepaart mit dem äußerst authentischen Ansprechpartner am anderen Ende der Telefonleitung führten dazu, dass nur kurze Zeit nach dem Telefonat die erste Meldung über den virtuellen Äther ging. Der wichtigste Schritt für die virale Verbreitung der Nachricht, hinter der sich schlussendlich nichts anderes verbarg als eine PR-Meldung zum Start des neuen Kinofilms von Jan Henrik Stahlberg, war getan. Zu diesem Zeitpunkt waren Bluewater und der angebliche Terrorakt in der kalifornischen Kleinstadt das Thema Nummer eins in diversen großen Online-Redaktionen mit Nachrichtenagenturanschluss bundesweit.

Der Elfenbeinturm Nachrichtenagentur war eingenommen! Ein Novum in der Geschichte der (Film-)PR. Doch der Ruhm dauerte nur kurz. Angeheizt durch den hohen Nachrichtenwert der Story begannen Journalisten im ganzen Land genauer zu recherchieren und entdeckten nach und nach die Lücken der Aktion. Mehrere Anrufe bei der verdutzten Polizeistation im nächtlichen und vor allem real existierenden Bluewater waren dann auch der Grund, warum sich das Thema bis über den großen Teich entwickelte und nicht nur Lob hervorrief.

Nur 28 Minuten dauerte es, bis die dpa – durch diverse Checks und Gegenchecks – Fehler in der Geschichte erkannte und schließlich eine Meldung mit der Auflösung des Hoax an ihre Abonnenten schickte.

Was bleibt ist die sehr ambivalente Nachberichterstattung in den bundesweiten Medien. Von Lob bis absoluten Missverständnis gibt es fast alles zu lesen. Nicht zuletzt das Datum und seine Nähe zum 11. September gießen aus meiner Sicht Öl in das Feuer der heißen Diskussion rund um die Frage: Darf man so etwas tun? Medien so zu instrumentalisieren und vor allem zu manipulieren?

Im Grunde genommen unterstütze ich Künstler wie Jan Henrik Stahlberg, der mit dieser Aktion versucht, den Film in die Realität zu holen (Teile der verwendeten Bilder und Videos auf der Website stammen direkt aus dem Film Short Cut To Hollywood). Doch ein kleiner Funken Respekt und ein deutlich größerer Teil Authentizität muss in jeder Form der medialen Kommunikation gewahrt bleiben, was im Falle der Bluewater-Affäre eindeutig nicht gegeben war. Ein Erfolg war es aber trotzdem allemal!